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Versuche mit dem Easy Footy Rig
#1
Ich habe vor ein paar Jahren die Easy Footy III gebaut. Klein, leicht zu bauen, und sauber durchkonstruiert.  Mit dem Bau von Modellsegelbooten begann ich vor 50 Jahren, natürlich ohne Fernsteuerung, die gab es zwar schon, aber waren für mich als Schüler unerschwinglich. Also hatten die Boote einfache Selbststeuerungen und mussten gut konstruiert sein. Und ich lernte das Trimmen bei unterschiedlichen Wind-und Wellen-Verhältnissen schnell einmal  für alle jeweils in Frage kommenden Kurse. Footys interessieren mich, weil sie einen grossen Konstruktionsspielraum lassen und mit vernünftigem Zeit- und Kostenbudget zu bauen sind. Die Easy Footy III haben die Entwickler nicht weniger als 7 verschieden grosse Riggs gezeichnet die sich schnell wechseln lassen. 5 Grössen habe ich gebaut, alle erst mal ohne Profil wie im Plan beschreiben. Und ich staunte, dass es fast bei allen Verhältnissen möglich war, dieses einfache Bötchen bis zur Rumpfgeschwindigkeit beschleunigen zu lassen. Nur die segelbare Höhe auf Amwindkursen befriedigte mich nicht ganz. Ich freute mich auch wie wenig Ruderkorrekturen es braucht sofern ich eine vernünftige Segelgrösse wählte. Da ich allermeistens alleine segle ist für mich die Rumpfgeschwindigkeit das einzige verlässliche Mass für die Schnelligkeit des Bötchens, sie ist bei diesem Rumpf am Wellenbild sehr gut erkennbar.

Mich interessieren in dieser Konstruktionsklasse vor allen die RIG und Segel als Experimentierfeld, schliesslich sind sie der Motor welcher das Boot beschleunigt. Und da gibt es nach meinen Recherchen kaum publizierte Entwicklungen für Footys. Bei den Rümpfen verlasse ich mich auf die Entwicklungsarbeit anderer, es gibt doch einige zugängliche Entwürfe. Aktuelle "Testplattform" für meine Segelexperimente ist die FAT Slim Boy dren Bau ich hier im Forum beschrieben habe. Denn die altgediente Easy Footy wurde irgendwann undicht, auch die Nachbauten 2 und 3.

Was mich beim Segelbau umtreibt, will ich hier berichten.

Hier der neuste Versuch


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Gruss Martin
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#2
Nach langem hin und her überlegen habe ich mich schon vor einigen Jahren entschieden weder mit der Gurkenzange noch mit einer Schildkröte profilierte Segel zu bauen sondern mit Vollformen. Die längste Form auf dem Bild ist das Grosssegel einer Fortun 612 von Kyosho. Die mitgelieferten Segel standen derart schlecht dass ich andere kaufte, aber die waren ebenfalls nicht profiliert und einseitig so flächig mit Farben bedruckt, dass sie nicht mehr symmetrisch standen. Zudem wares nicht möglich, die "Fockdüse" vernünftig einzustellen: das Boot lief Steuerbord und Backbord ungleich Höhe und bei ganz wenig Wind war es kaum möglich einen gewünschten Kurs zu segeln. Um ein bisschen Fahrt aufzunehmen musste ich ständig grosse Kursdrehungen von 90 Grad und mehr vornehmen. Also beschloss ich, selber profilierte Segel aus möglichst leichtem Material zu bauen. Das Vorsegel der Fortune schnitt ich auf der Form des Grosssegels und gab ihm am Vorliek etwas mehr Bauch, der zudem fast S-Förmig verlief damit die Fock im obersten Drittel etwas mehr Twist bekam. Seither verwende ich üfr die kleinen Segel die ich baue, nur noch ganze Formen. Zudem haben alle Segel zum Trim des Achterlieks eine möglichst feine einstellbare Dirk; ich verlasse mich nicht mehr nur auf den Niederholer bzw. die Vorliekspannung bei Focks. Die turbulentere Strömung in der Fockdüse nehme ich dabei in Kauf.

Das sind die Profil"rippen" für eine Vollform. Ich zeichne dafür möglichst gross auf ein A4 Blatt das gewünschte Profil mit Tiefe in %, Lage der grössten Profiltiefe, Wölbung und eingebautem Twist. Diese Werte ändern nicht nur mit jedem Segel sondern auch innerhalb eines Segels. Meine Überlegungen und Versuche dazu später. Die Lage der Formen ist horizontal, als parallel zur Wasseroberfläche.
Auf einem Fotokopierer drucke ich für jede Rippe die Zeichnung einzeln auf die Segelbreite an der entsprechenen Stelle genau skaliert aus und klebe sie auf Balsabrettchen mit einem Leim der das Papier möglichst wenig auslaufen lässt. Die Rippen schneide und schleife ich so genau aus, dass vom kopierten Bleistiftstrich (Bleistift 0.5 mm) überall gleich viel stehen bleibt.
Um die gewünschte Profilierung zu erhalten geht es um Bruchteile von Millimetern, das ist auch ein Grund Vollformen zu verwenden. Ich hatte im Internet ein Programm gefunden, das Seglebahnen für profilierte Segel rechnete zund zeichnete. Das war allerdings für grosse Segel und wenn ich die Bahnen auf meine kleinen Segel runterskalierte lagen die Unterschiede von z.b 7% zu 8% Segeltiefe im Bereich der Strichdicke....Wir haben beim Bau von Modellsegeln also immer grosse Abweichungen zu den rechnerischen Vorgaben, was den Vergleich der Segel a priori erschwert.


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Gruss Martin
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#3
hallo
das ist die Zeichnung welche ich für ein Segel als erstes anfertige. Nicht meine Erfindung, habe ich so  ähnlich mal in einem forumg gefunden.

das neueste Segel hat 13 dm2. Alle meine Segel haben Am Vorliek einen flachen Eintrittswinkel, das Vorliek war bisher bei den Easy-Rig-Segeln ein Kreissegment d.h. die grösste Tiefe ist bei 50% des Vorlieks, den Radius habe ich vom Easy Footy Plan übernommen. Die  Mastrohre, Kohle gewickelt, 5mm biegen sich durch die Dirk gleichmässig. Beim neusten Segel habe ich erstmals ein konisches Rohr verwendet wie sie als Spitzen für Fischerruten gebaut werden. Basis 6mm, an der Spitze 2mm. Dadurch biegt sich der Mast aber stärker nach hinten und zur Seite. Easy-Footy Rigs sind unverstagt, es gibt also auch keine Salinge. Folgen: weniger Luftwiderstand und das Segel weht in Böen mehr aus, verliert aber auch an Kraft. Die Profilierung dieser Segel wähle ich daher auch anders als bei einem konventionellen Rigg. Einen Teil des Twists des Achterlieks baue ich bereits in der Form ein, der Rest ergibt sich durch das Trimmen. Und bei zunehmendem Winddruck durch die Biegung des Mastes nach Lee. Beim grössten je von mir gebauten Segel (ich nenne es A++) das ebenfalls an einem 5mm Mastrohr gesetzt ist, entsteht bei (zu) viel Wind durch diese Leebiegung eine Falte im Segel schräg von der Baumnock zum Mast hin. Da die Boote dann auch nicht mehr sauber zu trimmen sind, wechsle ich das Rig und brauche ein kleineres Segel.  Beim neuesten Segel biegt sich der konische Mast mehr nach Lee, das Achterliek öffnet stärker. Ich bin gespannt, ob damit das Fenster des nutzbaren Windes etwas grösser wird, ich es also etwas länger stehen lassen kann.  Den konischen Mast habe ich erstmals auf einer Footy von J.-F. Bessiere gesehen.


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Gruss Martin
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#4
Auf der Zeichnung ist zu sehen wie sich die Profiltiefe bei jeder Rippe bzw. mit jeder Segelbahn ändert. Das Segel wird nach oben flacher. Die grösste Profiltiefe liegt immer bei 40% der Segelbreite. Das ist relativ weit hinten wenn man mit den Zahlen vergleicht die im Internet zu finden sind. Ich verspreche mir davon mehr segelbare Höhe und spätere Ablösung der Lufströmung auf der Leeseite. Zudem verwende ich Segelmaterial das sich bei diesen kleinen Segeln wenig verzieht so dass der Bauch bleibt wo er geschnitten ist und nicht zum Achterliek hin wandert. Die Segellatten liegen dort wo die Bahnen geklebt sind und reichen 40% vom Achterliek ins Segel. Es sind 1mm Kohlestreifchen, 0.1 mm dick, also nicht konisch. Einseitig aufgeklebt mit Spiverstärkungsband, 5mm breit. Das Band reicht bis 50% Segelbreite.  Am Kopf ist das Segel enorm ausgestellt, das sieht man in diesem Ausmass weder auf manntragenden Booten und schon gar nicht auf Modellen. Habe ich so von Claudio Vigada und der Easy Footy III übernommen. Im Kopf ist eine durchgehende Segellatte, ebenfalls 1mm x 0.1 Kohlefaser. Damit der Kopf am achterliek nicht absinken kann gibt es eine gleich dimensionierte schräge Latte schräg zum Mastliek. Beim nächsten Segel werde ich den Winkel wie den biherigen Segeln wieder näher bei 45 Grad wählen. Der Kopf kann sich dann weniger absenken. Damit er nicht zu sehr nach Lee ausweht gibt es einen feinen einstellbaren Faden zum Ende des 2mm dicken Auslegerröhrchen an dem die Dirk befestigt ist. Der Segelkopf ist flachgeschnitten, bekommt durch diesen Anschlagpunkt aber das Profi eines Kreissegmentes. Ich habe mit einem so stark ausgetellten Segel mehr Segelfläche dort, wo die Windgeschwindigkeit am grössten ist. Darum auch die unterschiedlichen Profiltiefen. Ich gehe davon aus, dass so nahe an der Wasseroberfläche die Windgeschwindigkeit sehr unterschiedlich ist und zudem in durch die Wellen stark verwirbelt wird.

Hier die aufgestellten Rippen vor dem "Beplanken".
Bisher habe ich die Formen mit 1mm Birkensperrholz (teuer) oder 1mm ABS Platten beplankt, diesmal mit 1 mm EPP Platten (am billigsten). Sacken zwischen den Rippen etwas ein, die Profilgenauigkeit an der Verklebung der Bahnen ist aber gegeben. Die Form entspricht dem Segelumriss, ist aber grösser beplankt. Die Lieken liessen sich aber nicht auf der Form beschneiden.


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Gruss Martin
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#5
Als Material für die Segel verwende ich kein Icarex. Lange suchte ich nach dünner und somit leichter wasserfester Zeichenfolie, bin aber nur auf Blätter A4 oder Rollen mit 50m gestossen - viel zu teuer mich. Bei einem ehemaligen Arbeitgeber bekam ich zwar Abschnitte genügender Grösse, aber nur schwere Qualitäten. Also wich ich auf Blumenfolien aus. Ich suchte ein sehr leichtes Material das nicht wie Gewebe je nach Zugrichtung unterschiedliche Dehnungseigenschaften hat und geklebt werden kann. Nähte sind mir bei diesen kleinen Segeln zu ungenau. Da ich auch bei ganz wenig Wind seglen können will brauche ich ein Material, bei dem der geschnittene Bauch  auf jeden Fall umschlägt. Im moment verwende ich eine weiss gefärbte Folie wie sie für Knistertüten verwendet werden, das ist aber eine dickere Spezialanfertigung die ich bei einem Drachenbauer erhalten habe der damit Nullwinddrachen baut. Geklebt werden ind mit 5mm Streifen Klebefilm von M3. Diese Klebestellen sind damit nach drei Jahren noch gleich wie beim Bau. Früher verwendete ich handelsübliches Doppelklebeband um den Preis dass die Segel nach einem Jahr faltig wurden so dass sich das Profil veränderte. Verstärkungen mache ich aus Icarexstreifen und Klebefilm.
Erst schneide ich die Bahn auf die genaue Breite, dann kommt der Klebefilmstreifen drauf, eine Arbeit die bei der leichten Folie eine ruhige Hand erfordert ebenso wie das aufkleben der nächsten Bahn. Beides wird ohne Zug am richtigen Ort aufgelegt weil ein verschieben praktisch unmöglich ist. Dann wird der Kleberstreifen bzw. die Folie von der Mitte her ganz leicht angetupft und erst ganz am Schluss mit dem Fingernagel Druck ausgeübt. Wird irgendeine Stelle doch überdehnt beginnt das ganze von vorne... damit die Bahn nicht verrutschen kann fixiere ich sie ohne Zug mit Nadeln und Klebeband und unmittelbar bei der Klebestelle mit einem Papierstreifen.


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Gruss Martin
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#6
Sehr gute Arbeit und vielen Dank für Deinen sauberen Bericht Smile
Grüße looney | XENO
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#7
Danke Looney
wie Du liest habe ich ich mich doch wieder aufraffen können. Ob sich die ganze Mühe lohnt? Jedenfalls macht es wieder Spass und bisher habe ich bei den neu gebauten Segeln nach genügend Probefahrten das Gefühl dass die Segel schneller werden. Und inzwischen Material gefunden das mehr als eine Saison übersteht.  Es geht halt immer rt weiter wenn wieder die Lust aufs pröbln zurück ist und ich genügend in Ruhe bin und dass Zittern aufgehört hat. Die Arbeit mit Icarex wäre da viel leichter, dafür das Material schwerer und weniger glatt. Immerhin leiste ich mir auf meine alten Tage noch einen Heissschneider nachdem ich über 40 Jahre Nylonfäden und -seile mit dem Messer schnitt und mit Klebeband und Zündhölzern vor dem Ausfransen bewahrte.     Den Heisschneider gönnte ich mir aber in erster Linie fürs Schneiden des IcarexSegels welches auf das neue Bötchen in Arbeit kommt. Mehr dazu später.

Dieses Segel hat eine Bahn mehr als die bisherigen damit ich die Profilparameter stärker ändern kann. Je breiter die Bahn desto weniger liegt das feine Material plan auf der Form. Bei den gewählten Werten reichen selbst 5 Bahnen fast nicht aus.     Vor der Form liegt ein Streifen sehr festes Papier. Mit dem oben gezeigten Rigg habe ich die effektive Mastkurve bei einer gewählten Dirklänge und mittlerer Mastlieklänge abgenommen und eine Mastliekschablone gemacht mit der ich dem Segel die endgültige Form am Mastliek gegeben habe. Achterliek und Fussliek sind gerade geschnitten.

    Kohlefaserstreifchen und Spistoffstreifen zur Stabilisierung des Segelkopfes. Gleiches Material für die Segellatten.

   
Das fertige Segel.
Für die Schot, Dirk und die Besfestigung des Segels vrwende ich gewobenen Dyneema"zwirn"  aus dem Drachenladen in unterschiedlicher Dicke. Von der Belastbarkeit her würde die allerfeinste Qualität reichen, die ist aber so fein dass mir das zu viel Gefummel wäre. Alle Tampen sind regulierbar. Dazu sinsd sie mit einem Stückchen Silikonschlauch ddas auf den Balsarohren sitzt geklemmt. alle Holepnkte sind schiebbar. Das Segelhorn am Fussliek ist mit zwei Fäden geführt so dass es in allen drei Dimensionen verstellbar ist. Habe ich mir bei der Breithorn von M. Wahlin abgeguckt. Bei diesem Segel führe ich das Segel am Mast erstmals mit lockeren Fadenschlaufen, bisher habe ich immer kurze Plastiktrinkhalmringe über den Mast gestülpt und das Segel mit einem Streifchen Klebeband festgeklebt. Schmales Zierstreifenklebeband aus dem Autozubehör. Bewährte sich als Liekenverstärkung nicht. Nach einem Jahr begann des Band zu schrumpfen und ich habe ein paar Segel mit grässlichen Flten ersetzen müssen.
Gruss Martin
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#8
    Führung des Schothorns. Die Schot ist hier dichter genommen als im Segelbetrieb. Die Lage des Servohebels ist etxra so gewählt dass am Servo auf Amwindkursen wenig Kraft anliegt.
   
Gruss Martin
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