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Green Hornet in 3D Druck
#1
Hallo und viele Grüße aus Tokyo ans Footy-Forum!

Kurz zu mir selbst: Ich komme aus der Stuttgarter Gegend, bin aber seit 5 Jahren mit Kind und Kegel in Tokyo. Segle seit ich laufen kann in den Ferien am Bodensee in Opti, Laser, Korsar und 30er Schärenkreuzer, und auch seit 30 Jahren RC Modellboote. Hier in Tokyo hatte ich nur meine Modellflieger dabei, dann fand der Fliegerclub aber heraus, dass der Tama-Fluss neben dem Flugplatz durchaus schiffbar ist, seither wird fast mehr gesegelt als geflogen, ständig liegen Bojen aus. Hauptsächlich DF65 und 95 hier, RG65 gerade am Entstehen. Footy gibt es im Tokyoter Raum scheints nicht.

Ich bin über Andreas Hoffmanns manta2017 RG zum 3D Druck gekommen. Lange hatte ich nach einem Vorwand gesucht einen Drucker anzuschaffen, dann erschien der Bericht über die 3D gedruckte RG auf Andys Seite. Der Rest ist Geschichte, Details gibts auf http://forum.rg-65.de/viewtopic.php?f=24&t=2071
Eine RG65 geht also ganz wunderbar in 3D zu drucken, nur muss man doch sehr spezielle Druckeinstellungen vornehmen um einen haltbaren Rumpf zu erhalten. Stichwort ist die Layerhaftung, und um ausreichende Haftung zu erreichen muss man die Drucktemperatur bei den meisten Filamenten deutlich über die von Hersteller empfohlenen Werte hochschrauben. 
Ruder für die RG geht sicher auch gut in 3D Druck, das Schwert wird allerdings nicht steif genug, hier ist Kohlefaser gefragt.

Auf thingiverse fand ich auch Bill Hagerups Footy "Green Hornet" https://www.thingiverse.com/thing:2611611 mit entsprechender Vorstellung und Anleitung auf https://3dprintedradioyachts.com/
Ich kannte die Footy Klasse bislang überhaupt nicht, es reizte mich aber das mal zu probieren. Zuerst musste Bill mir das mit der Box Regel erklären, böhmische Dörfer für einen RG Segler der sich wundert warum die 3D Datei länger als ein Fuß ist...

Insofern berichte ich hier auch gerne von den Erfahrungen mit der Footy-Druckerei. Bill stellt die Green Hornet als massiven Volumenkörper des kompletten Rumpfes bereit, ebenso Schwert und Ruder. Da 319 mm für die meisten Drucker zu lang sind, muss man den Rumpf selbst durchschneiden und in 2 Teilen drucken. Das geht wunderbar im Slic3r, ich habe auf ca. 230 mm abgeschnitten, dann nochmals auf 314 mm da ich einen Bumper verbauen wollte (Ja, ich weiß, ist nicht nötig bei Footys). 
Die Rumpfsegmente druckt man im Spiralmodus mit einlagiger Außenwand. Für ein Footy sind 0.45 mm Wandstärke ein guter Startwert, ich verwende dafür eine 0.3 mm Düse. Als Layerhöhe haben sich 0.15 mm bewährt. 
Zum Zusammenfügen der Rumpfsegmente hat Selwyn auf seiner https://3dprintedradioyachts.com/ Seite die "Sleeve" Methode vorgeschlagen. Hierzu druckt man einfach einen 10 mm langen Rumpfabschnitt, in unserem Fall von 225 bis 235 mm, den man in x und y Richtung um ca. 1 mm verkleinert hat. So passt dieser innen in den Rumpf rein und kann überlappend verklebt werden. 

Als Material empfehle ich erst mal PLA, ist am einfachsten zu handhaben. Kleben geht sehr gut mit diesem Zeug hier: https://www.modulor.de/dichlormethan-met...lorid.html
In eine alte Sekundenkleberflasche saugen und per Kanüle auftragen. Nylonpinsel geht auch gut. 
   
Ruder und Schwert druckt man auch im Spiralmodus, wobei das durch durch die geringe Dicke eine wackelige Angelegenheit ist. Bei einem Drucker mit beweglicher Grundplatte sollte man entsprechend der Bewegung ausrichten. Ausreichende Steifigkeit erreicht man später mit Kohlestäben und -rohren. 
Für meine Green Hornet habe ich meine Kyosho Fortune ausgeschlachtet, Ballast (310 g) und komplette RC Anlage fanden ein neues Heim.
Bill empfiehlt zwar ein ins Deck eingesetztes Servobrett, nach den guten Erfahrungen mit meiner RG hatte ich für die Green Hornet auch schnell einen Ring für einen 70er Papprollendeckel erstellt und so alles in den Rumpf verfrachtet. Dazu habe ich noch schnell Aufnahmen für Mast und Kiel entworfen und gedruckt: https://www.thingiverse.com/thing:2817520
Ebenso rudimentäre Servohalter und Ruderkoker. 
Das Rigg ist ein Easy Rigg geworden, ging anhand des hervorragenden Plans sehr leicht von der Hand. Segel ist aus Icarex, bislang unprofiliert. 
Alles zusammen wiegt das 500 g, damit liegt die Green Hornet gut im Wasser. Etwas leichter würde sicher nicht schaden, ginge auch problemlos mit leichterer RC Ausrüstung und Rigg (habe einen 3 mm Edelstahl Rundstab verbaut...).
   
Von den Segeleigenschaften war ich sehr angenehm überrascht, mit dem Easy Rigg nach Plan scheint die Balance zu stimmen. Das Boot läuft sehr stabil und macht Spaß zu segeln.
   

...und noch ein paar Bilder.
   
   
   
Die 3D Druckerei hat sich bei mir quasi sofort vom "Mittel zum Zweck" zum eigenen Hobby entwickelt. Bin ständig am Rumoptimieren an dem China-Drucker. Ist eine hochinteressante Sache für computeraffine Tüftler. Und das klassische Bauen kommt auch nicht zu kurz, die gedruckten Teile müssen natürlich auch nachbearbeitet und angepasst werden. Wobei ich auf Oberflächenbehandlung und Lackieren bislang komplett verzichtet habe. Die Rauhigkeit durch die einzelnen Layer hat sich nicht als bremsend erwiesen.

Wenn man die Zeit am Rechner im 3D CAD mitrechnet, bin ich nicht sicher ob es einen Zeitvorteil fürs 3D gedruckte Boot gegenüber einem klassisch auf Spanten aufgebauten gibt. Jedenfalls fürs erste Boot, das zweite geht dann schneller. Und meist gibt es mindestens ein zweites, weil man immer was zum Verbessern findet. 

Viele Grüße

Philipp
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#2
Sehr toll. Ich bin begeistert!
Ich habe noch keinen 3D-Drucker aber liebäugele schon lange damit. Welchen Drucker hast du und warum? Und wenn nur Preis oder Verfügbarkeit das Kriterium sind.
Wieviel Try-and Error war das bei dir? oder wieviel Zeit investiert man bis das erste brauchbare Teil gedruckt ist?

Gerade die Nachbau- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind ja der riesige Vorteil. Copy-paste ist ja nur die Druckzeit und dezente Veränderungen können sehr präzise gemacht werden, wie etwa Mast oder Kiel einige Millimeter Verschieben oder deren Winkel...
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#3
Ich verwende einen Anycubic Kossel Plus, ein paar Worte dazu sind in dem Thread im rg65 Forum. Heutzutage würde ich eher zum großen Biqu Kossel greifen, der sollte ein Footy am Stück drucken können. Diese Delta Drucker erfordern allerdings etwas mehr Durchhaltevermögen am Anfang wegen Kalibrierung etc. Dafür bewegt sich das Druckbett nicht, gut für schlanke hohe Teile.

Es ist sehr viel Trial and Error. Auch immer noch, kommt oft vor dass man ein Teil zwei oder drei mal druckt bis es was wird. Irgendwas ist immer...

Zeitschiene: Zusammenbau Drucker 2 Tage, Inbetriebnahme und Kalibrieren eine Woche. Bis das richtig produktiv wird gibt es natürlich viel zu lernen, wie man am besten Modelle erstellt, welche Slicer Einstellungen funktionieren etc...

viele Grüße, Philipp
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#4
Mich hat die Frage erreicht, welche Drucker sonst noch für den Footy Druck geeignet wären. Oft werden Anet A6 und A8 genannt. Diese haben bei den RG65 Seglern einige Freunde gewonnen, siehe http://rg-andy.blogspot.jp/ und http://p-sails.blogspot.jp/ . Ich selbst kenne diese nicht und kenne auch den Unterschied zwischen A6 und A8 nicht...
Es wird allerdings häufig erwähnt, dass diese "nur" einen Kunststoffrahmen haben, viele liebäugeln mit einem Umbau auf Alu.
Für ein Footy sind diese aber sicher ausreichend, man muss nur in 2 Teilen drucken. Insofern hat man immer die etwas unschöne Fügestelle am Rumpf. Eines gibts zu beachten, der A6 hat nur 235 mm Durchfahrtshöhe unter dem Portal, kann die 250 mm also nur bei schlanken Teilen drucken.

Man kann natürlich auch gleich einen größeren Drucker nehmen, z.B. den Creality CR10. Damit gehts dann am Stück, das hat schon einiges für sich.

viele Grüße, Philipp
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#5
Hm. der Kossel hat ja eine Maximalhöhe von 270mm das ist ja schon ärgerlich nah an der Footylänge. Rolleyes
Wenns den nun als XL-Version mit sagen wir 340mm gäbe...
Ich hab gerade den Creality CR-10 ab 320€ gesehen mit 300x300x400 das wäre ja prima. 
Mir scheint allerdings die y-Achse bei der ja das Bauteil bewegt wird nicht ganz optimal für schmale hohe Bauteile, weil die evtl anfangen zu schwingen.
Den A8 hab ich schon um 100€ gesehen. Der wäre noch kleiner und hat auch die "Schubladen-y-Achse" aber für das Reinschnuppern und rumprobieren ist das ja kein Geld.
Wenn man Feuer fängt und wirklich viel druckt wird wohl eh das Nachschubmaterial und die Hop-ups ein vielfaches kosten.
Was ich nicht gedacht hätte ist, dass es schlecht möglich ist, die Innereien wie Ruderkoker und Mast/Schwerttasche, sowie Servohalter gleich mit dranzudrucken wegen dem Verzug der Außenhülle. Klingt aber dann doch logisch.
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#6
Thumbs Up 
..sehr guter Beitrag...
_________
mfg looney
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#7
Hallo,
so mein 3 D Drucker, ein Anet E 10 ist angekommen. Aufbau war recht einfach. Ganz wichtig ! Alle Schrauben mussten angezogen werden. Jetzt mache ich mich mit der Software vertraut. Im Gegensatz von Philipp , möchte ich das neue CURA 3.2 bzw. 3.3 einsetzen. Hier finde ich nicht die Funktion zum Schneiden des Rumpfes in zwei Teile. Die Z-Achse ist ja nur 300 mm hoch. und ich brauche 319 mm. Bei slic3r  soll das möglich sein. Kann man mir da helfen ?
Gruß aus Neu-Ulm
Thomas
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#8
Ich bin schon ganz gespannt auf die Ergebnisse. Ich glaube aber, dass du mit Fragen die sich eher um die Technik des Druckens, die Software und die Erstellung der Dateien drehen in Foren für 3D-Druck besser aufgehoben bist. Die Leute aus dem Modellboothobby die sich auch mit 3D-Druck auskennen sind doch wenige. Speziell hier ist sowieso recht wenig los. Leider.
Aber wenn Ergebnisse vorliegen, bitte gerne hier posten!
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#9
Moin zusammen, Mark Dicks hat auch nen Footy gedruckt. Son'n Profiteil sieht schon etwas anders aus. Gruß, Egon
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#10
Ja, der Riß gefällt mir. Nur die Bilder von den Segmenten, die man hier sieht sehen im Vergleich zu denen hiereher nach ner Mischung aus Panzerkreuzer und Lego aus. "Zornzack" schreibt aber selber, dass da noch viel zu optimieren ist. Der Rumpf wiegt 210g. Er will ihn auf 115g bekommen. Dann soll er aber noch lackiert (und wohl geschliffen) werden.
Der Footy von Akerman wiegt 500g segelfertig. Würde gerne wissen, was die Rumpfschale einzeln wiegt.
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